Selbstführung bedeutet für einen Vorgesetzten: Ab und zu innerlich aufräumen. Und was heißt das konkret?

Nach meiner Erfahrung ist innere Klarheit essenziell, um sich selbst und andere gut führen zu können.

Umso schlechter ist es, um im Bild zu bleiben, wenn aus vorhergehenden Diskussionen noch offene Themen, Verletzungen und unbesprochene Punkte die Klarheit trüben.

 

Frau F. ist als Führungskraft in einer sozialen Einrichtung tätig. Ich kenne sie und das Haus aus vorgehender Begleitung von Führungskräfteentwicklungen.

Die Tätigkeit ist ihre erste Führungsrolle, die sie seit ca. 2 Jahren innehat. Für die Bewohner der Einrichtung plant sie mit ihren Mitarbeitenden eine Wochenendreise. Es ist die erste Reise dieser Art, die Bewohner bedürfen der Betreuung. Als sie in ihren Sommerurlaub fährt, vereinbart sie weitere Planungsschritte mit ihren Mitarbeitenden, die erledigt werden sollen.

Als sie wiederkommt, hat ihre Vorgesetzte mit den Mitarbeitenden alle Planungen übernommen und gebucht. Die Reise ist quasi fertig, sie muss nur noch mitfahren.

Frau F kocht vor Wut, weil sich weder die Vorgesetzte noch die Mitarbeitenden an die Absprachen gehalten haben. Insbesondere ist sie wütend auf ihre Vorgesetzte, die sich wiederholt in ihre Arbeit eingemischt habe. Sie fühlt sich übergangen und als Führungskraft desavouiert.

Der Vorfall grummelt eine Weile vor sich hin. Als die Vorgesetzte dann wegen eines Burnouts längere Zeit ausfällt und zurückkommt, lehnt Frau F die weitere Zusammenarbeit mit ihr ab. Mit der nicht mehr, macht sie ihre Meinung deutlich.

Frau F möchte gerne mit mir über diese Situation sprechen, mit der sie selbst auch nicht glücklich ist.

 

Im Gespräch klären wir das Ziel. Frau F möchte gerne, die Situation aufarbeiten, so dass sie unbelastet mit ihrer Vorgesetzten weiterarbeiten kann. Vor einem gemeinsamen Gespräch mit ihr „selbst innerlich aufgeräumt sein“, so ihr Zitat.

Aufräumen, Umräumen und Abräumen hat etwas mit Gegenständen zu tun, die herumstehen, mitunter an den falschen Plätzen herumstehen oder schon immer dort stehen, wo sie nichts zu suchen haben.

In einem Gespräch klären wir die Beteiligten ab. Dies sind nicht nur die Vorgesetzte, sondern auch noch eine Mitarbeitende, ein Kooperationspartner und eine weitere Kollege.

Zum Aufräumen biete ich ihr an, die Beteiligten einmal aufzustellen und sich die Konstellation anzuschauen.

Mit Hilfe von Ankern bauen wir diese Gesamtsituation auf. Mit ihrer eigenen beruflichen Vorerfahrung im sozial-pädagogischen Bereich gelingt es Frau F, sich in die einzelnen Beteiligten hineinzuversetzen. Wir erarbeiten gemeinsam, was  jeder einzelne während ihrer Urlaubszeit gebraucht hätte, um zu einer für sie wertschätzenden Lösung zu kommen. Und sie überrascht stellt, fest, welche Ressourcen ihr Selbst gefehlt haben, um besser mit der Situation umzugehen.

Es fallen Begriffe wie Vertrauen der Vorgesetzten, Empathie, Wertschätzung ihrer eigenen Arbeitsleistung, innere Ruhe, Achtsamkeit.

Wie oft beim Aufräumen, tauchen in dem Zusammenhang noch andere, frühere Ereignisse auf, die in dieselbe Richtung weisen.

Die Bodenanker hatte ich zu Anfang aufgebaut, damit Frau F diese beim Aufräumen zur Hilfe nehmen kann. Jeder Anker steht für einen Beteiligten und Frau F durchläuft nun nach einer festgelegten Reihenfolge diese Anker. Frau F tut sich teilweise etwas schwer, die einzelnen Beteiligten zu durchlaufen. Zu groß sind die einzelnen Verletzungen und angestauten Emotionen. Mit einigem Mut und weiteren Ressourcen, die wir erarbeiten, gelingt ihr das aber.

 

Fazit nach zwei intensiven Stunden: Frau F stellt selbstkritisch fest, dass sie nach ihrer Rückkehr viel zu sehr bei sich selbst in ihrer Wut gehangen hat, ohne die anderen Beteiligten und deren Interessen und Situationen zu sehen. Als ich zwei Wochen später noch einmal anrufe, plant sie das Klärungsgespräch mit Ihrer Vorgesetzten und ist innerlich aufgeräumt, wie sie sagt.

 

Die Geschichte ist gekürzt dargestellt. Für Interessierte gibt es eine Langfassung mit den einzelnen Schritten eines Re-Imprintings.

 

An welcher Stelle hast du Gespräch geführt, die Dir noch nachhängen. Was hättest du gebraucht, um das Gespräch besser führen zu können. Was hätte Dein Gesprächspartner gebraucht, um aus Deiner Sicht das Gespräch besser zu führen?